Durchwachsene Silphie blüht auch in Sendenhorst

Vielleicht mutet die Überschrift etwas seltsam an, aber im Hinblick auf die deutschlandweite Gesamtanbaufläche, die die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe für das Jahr 2019 mit 3.000 ha schätzt, ist es doch erstaunlich, das in der Sendenhorster Bauerschaft Elmenhorst auf einem Acker mit 8,9 ha Fäche diese noch seltene Feldfrucht angebaut wird (in Everswinkel gibt es ebenfalls ein 3,4 ha großes Feld, wohl die einzigen im Kreis Warendorf). Zum Vergleich: energetisch genutzter Mais wird bundesweit auf rd. 1 Mio. ha angebaut. Damit ist auch bereits ein Hinweis auf die Verwendung der Durchwachsenen Silphie gegeben: sie dient als Substrat für Biogasanlagen und als Alternative zum Mais.

Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Galt ihr Anbau bislang als vergleichsweise teuer, so konnten durch neue Züchtungen und Saatverfahren („Anbau unter Mais“) die Kosten beträchtlich gesenkt werden. Die Durchwachsene Silphie kann erst ab dem zweiten Jahr geerntet werden, mit Mais als Deckfrucht wird der Verlust des ersten Jahres erheblich reduziert. Geerntet werden kann sie dann bis zu 15 Jahre; die Pflanze wird daher auch als Dauerkultur (wie z. B. auch der Spargel) eingeordnet.

Besonderen Ansprüche an Klima oder Boden stellt die Silphie nicht. Sie ist relativ winterfest und gedeiht auch auf leichteren Standorten. Allerdings braucht sie für hohe Erträge humose Böden mit einer guten Wasserführung. Sie sind dann ähnlich hoch wie die beim Mais.

Die Durchwachsene Silphie wird bis zu 3,5 m hoch. Die Blütezeit beginnt im Juli, geerntet wird sie Ende August / Anfang September.

Für den Anbau der Pflanze sprechen eine Reihe ökonomischer und vor allem ökologische Gründe. Zu nennen sind:

  • Humusaufbau (bis zu 5 t Humusaufbau pro ha und Jahr)
  • CO2-Bindung im Boden
  • Erosionsschutz (Dauerkultur)
  • Keine chemische Pflanzenschutzmittel nach Etablierungsjahr
  • Grundwasserschutz (keine Nitratauswaschung)
  • Keine Nährstoffauswaschung im Winter
  • Geringer Aufwand, d.h. Einsparung fossiler Energieträger
  • Lebensraum für Wildtiere und Insekten
  • Bereicherung des Landschaftsbildes

Eine Studie aus dem Jahre 2016, deren Ziel es war, den Einfluss der Durchwachsenen Silphie auf Biodiversität und ökosystemare Dienstleistungen zu untersuchen, kommt zu folgendem Ergebnis:

„Zusammenfassend kann man also sagen, dass der Anbau der Durchwachsenen Silphie das Potential hat, die Bestäubergemeinschaften in der Agrarlandschaft positiv zu beeinflussen. Es wurde aber auch deutlich, dass der Anbau der Durchwachsenen Silphie allein nicht ausreichen würde, um dieses Potential voll auszuschöpfen, da sich die positiven Effekte eines Anbaus der Durchwachsenen Silphie nur in Zusammenhang mit einem größeren Landnutzungskonzept voll entfalten kann. Dies gilt sowohl für die Einbettung extensiver Strukturen in die landwirtschaftliche Nutzung, als auch eine weitreichende Diversifizierung des Energiepflanzenanbaus durch die Kombination verschiedener Biogaskulturen, da jede dieser Kulturen bestimmte Insektengruppen fördern kann. Unter diesen Voraussetzungen empfehlen wir den Anbau der Durchwachsenen Silphie, am besten in Kombination mit anderen blühenden Biogaskulturen (z.B. Wildpflanzenmischungen) und möchten betonen, dass schon die Integration kleinerer Schläge oder ein streifenförmiger Anbau zur Auflockerung größerer Maisschläge einen ersten positiven Effekt erzielen könnte.“

Die „Agrarökologische Bewertung der Durchwachsenen Silphie (Silphium perfoliatum L.) als eine Biomassepflanze der Zukunft“ finden Sie hier.

Zu wünschen wäre eine weitere Verbreitung der Durchwachsenen Silphie in der hiesigen durch den Ackerbau geprägten Agrarlandschaft. Vielleicht wächst sie ja schon unter den vielen Maisfeldern als Untersaat – noch verborgen – heran.

Weitere Informationen:

Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Durchwachsene Silphie in Niedersachsen

TFZ Bayern: Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum L.)

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (NR): Durchwachsene Silphie

In Sendenhorst werden rd. 68 % der Gesamtfläche als Ackerland genutzt. Prozentual nimmt die Stadt damit den Spitzenplatz im Kreis Warendorf ein. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Verteilung der Flächen nach Art der Tatsächlichen Nutzung.